Montag, 4. Mai 2020

Von Staatshilfen und Automobilen



Sie ist also ausgebrochen: Die Schlacht um den Inhalt der sperrangelweit geöffneten Tresorinhalte des „staatlichen“ Vermögens.
Den ersten Versuch wagte der berühmte Sportartikelhersteller mit den drei Streifen. „Adidas“ wagte es tatsächlich, Staatshilfen zu beantragen. Der nur noch formell im fränkischen Herzogenaurach firmierende Konzern lässt mehr als 90 % seiner Waren in Fernost und zwar vornehmlich in der Demokratischen Volksrepublik China fertigen. Unterwelchen Umständen dies geschieht, mag man sich nicht ausmalen. Jedenfalls aber stammt von dort, nach heutigem Wissensstand, auch die Corona-Pandemie. Es stünde den überbezahlten Vorständen von Adidas gut zu Gesicht, in China nach Staatshilfen zu
verlangen oder die Produktion wieder nach Deutschland zu verlegen. Das könnte womöglich die Dividende der nicht arbeitenden Aktionäre beeinträchtigen, denn die Preise zu erhöhen wäre wirtschaftlicher Selbstmord. Die Produkte der verdienten Manufaktur kann sich doch jetzt schon kaum jemand leisten . Aber sind Aktionäre in solchen Zeiten „systemrelevant“? – Vermutlich so sehr wie ein Investmentbanker, also überhaupt nicht.
Nun entblödete sich zudem der Vorstand des weltgrößten Herstellers von Automobilen, VW nämlich, also ein Herr Diess, nicht, ein massives staatliches Hilfsprogramm für die Autoindustrie zu fordern. Da bescheißt ein Konzern die halbe Welt mit getäuschten Abgaswerten und ruiniert damit den Ruf unserer Wirtschaft rund um den Globus. Dann werden amerikanische Käufer großzügig entschädigt, deutsche Käufer aber nicht, was man als kapitalistischen Rassismus bezeichnen könnte, wenn man wollte. Dann kommt eine seltsame Krankheit. Und schon fordert er, die deutschen Steuerzahler, auch jene, die womöglich gar kein Auto haben oder wollen, sollen jetzt gefälligst die buchstäbliche Karre aus dem Dreck ziehen. Eine zumindest Halbierung seiner eigenen Boni für dieses und das vergangene Jahr lehnt er übrigensmit äußerster Vehemenz ab, auch die Ausschüttung der Dividenden an die zumeist ausländischen Anleger soll und muss in vollem Umfang erfolgen. Man kann ja das Personal in Kurzarbeit schicken, irgendjemand wird das schon bezahlen und der Anleger ist nun einmal wichtiger als der Arbeiter.
Eigentlich bin ich gegen die Todesstrafe. Ab und an gerate ich allerdings ins Grübeln.