Montag, 30. November 2020

Vom Lockdown und vom Black Friday

 


Die Pandemie hat den Planeten fest im Griff. Die USA verzeichnen mittlerweile ähnlich viele Tote, wie sie im zweiten Weltkrieg zu verkraften hatten. Vergleichbares kann man von Deutschland oder Japan nicht behaupten, was aber eher mit der Kriegsführung in Beziehung stehen dürfte. Auch Staaten wie Polen oder die ehemalige Sowjetunion sind im Vergleich bislang günstig davongekommen. Der Virus mag tückisch sein, ein Hitler aber ist er nicht. 

Dennoch nervt der Lockdown; man kommt sich langsam vor wie in einem Leben auf der Basis von Lebensmittelmarken. Jetzt, wo es kalt ist, merkt man besonders, was für ein jämmerliches Leben man auf einem Bahnsteig fristet, während man auf die wie üblich verspätete S-Bahn wartet. 

Das dazu. Nun zu einem anlassbegründeten Thema: Die Black-Friday-Wochen. Diese enden heute endlich. Es handelt sich neben Halloween, dem Valentinstag oder Thanksgiving um eine neuerliche Implementierung amerikanischer Bräuche hierzulande, die eben hierzulande nichts zu suchen haben mit Ausnahme der Tatsache, dass man damit die Menschen in den sinnfreien Konsum unnützer Güter treiben möchte. 

Kurios finde ich nur, dass mit dem „Black Friday“ eigentlich weniger an Sonderangebote gemahnt werden sollte. Der eigentliche schwarze Freitag trug sich, wie wir alle wissen sollten, am 24. Oktober 1929 zu und stürzte die Welt in eine bis dahin nicht gekannte Wirtschaftskrise. Neben einer weltweiten Massenarbeitslosigkeit, die der hemmungslosen amerikanischen Börse zu verdanken war, stellt der Black Friday auch eine der tragenden Säulen des Aufstiegs eines österreichischen Gefreiten dar, dessen Name ich ungern ausspreche oder niederschreibe. 

Dies scheint den Einzelhandel und dessen Marketing-Instrumentarium indes weder zu beeindrucken noch nachdenklich zu machen. Keine schönen Aussichten für die Zukunft, wenn das Erinnern abgelöst wird von der Idee besinnungslosen Wachstums in einer ohnehin längst überforderten Welt. Verschiedene Agenturen arbeiten gewiss schon an Shoah-Wochen, um im Nahen Osten besser verkaufen zu können und auch Nuklear-Wochen wären sicher eine Option für das immer noch wohlhabende Japan. Hier muss es schnell gehen, denn die dortige Gesellschaft überaltert rasant, aber den Verkaufsexperten wird sicher etwas einfallen. 

Wichtig scheinen, um hier unterstützend einzugreifen, zwei Grundpfeiler zu sein: Geschmacklosigkeit sowie eine Geschichtsvergessenheit, die sich in einer wütenden Ignoranz gegenüber historischen Daten manifestiert. 

Ich liebe den Advent nicht unbedingt. So lange er aber die Black-Friday-Wochen verdrängt, bin ich ein arger Fan davon.